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Die Schöne mit dem Kofferradio, 1965

Draußen sitzen, lesen, die Seele baumeln lassen oder Musik hören: Endlich lockt uns der Sommer für die verschiedensten Aktivitäten nach draußen. In unserer aktuellen Geschichte zum Bild erzählt uns Community-Mitglied Hubertus Hierl von Jugendlichen in Kopenhagen, die die Sommerzeit perfekt zu nutzen wussten und dabei noch – bewusst oder unbewusst – das Sinnbild einer neuen Bewegung verkörperten.

Jugendliche Schönheit genießt bei Musik den Sommertag an einem Brunnen in Kopenhagen.

Die Schöne mit dem Kofferradio, 1965 © Hubertus Hierl

„Kopenhagen, Universitätsviertel, ein Platz mit einem großen Brunnen. Erstmals begegne ich hier diesen jungen Leuten, die als Gammler herumlungern. Besondere Kennzeichen: jung, langhaarig, ungepflegt, gleichgültig gegenüber der Umwelt. Und sie laufen in verschlissenen, beschmierten und beschrifteten Klamotten herum. Weitere Kennzeichen: Sie haben sich dem aktiven Nichtstun verschrieben. Nicht so diese blonde jugendliche Schönheit. Sie hat sich auf dem Brunnenrand niedergelassen, genießt die Sommersonne und lauscht den neuesten Hits aus ihrem Kofferradio. In ihrem Aussehen erinnert sie an Brigitte Bardot, damals Idol aller Mädchen und jungen Frauen. Sie ist so in die Musik versunken, dass sie mich nicht bemerkt, wie ich meine Kamera auf sie richte und auf den Auslöser drücke.“

In unseren Fotoalben „Happening in Schwabing, 60er Jahre“ oder „Jugendliche, 60er Jahre“ finden Sie, rechtzeitig zum 50. Jahrestag der ersten Studentenproteste, weitere Bilder von extravaganten Schönheiten und lässigen Gammlern. Wenn Sie Protest lieber in niedergeschriebener Form betrachten möchten, dann schauen Sie doch einfach auf unserer Pinterest-Pinnwand „Sprüche“ vorbei. 

Alle unsere Bilder mit einer Geschichte finden Sie unserem Album. Haben auch Sie Geschichten zu Ihren Bildern auf Timeline Images? Zögern Sie nicht, diese in der Community von Timeline Images zu teilen! Loggen Sie sich dazu einfach im Bereich Bilder hochladen ein und rufen Sie unter „Meine Bilder“ eines Ihrer Bilder auf. Mit der Funktion „Dieses Bild kommentieren“ unten rechts können Sie Ihre Gedanken, Erinnerungen und Anekdoten zum Bild hinzufügen. Wir freuen uns auf Ihre persönliche Geschichte! Ihr Team von Timeline Images

Crashtest in Dänemark

Alltag – Verkehrssicherheit in den 50ern

Urlaubszeit ist Stauzeit – und Unfallzeit. In der Zeit von Mai bis August schlägt die Statistik der Verkehrsunfälle regelmäßig nach oben aus, und nicht umsonst fordern Behörden und Verbände gerade in der Ferienzeit zu erhöhter Aufmerksamkeit im Straßenverkehr auf. Gut, wenn man sich neben seinen fünf Sinnen zudem auf die Sicherheit seines fahrbaren Untersatzes verlassen kann. Diese wird heutzutage selbstverständlich in Crashtests geprüft, durch Hersteller und Automobilverbände. Ziel ist es, die Karossen auf den Fahrgastschutz und den Schutz von Fußgängern oder anderen Verkehrsteilnehmern zu überprüfen. In den 50ern war dieses Wissen allerdings noch nicht so sehr verankert…


 

Lange vor der Verwendung von Hochgeschwindigkeitskameras und Drucksensoren gab es allerdings schon Experimente, die aus heutiger Sicht etwas kurios anmuten. Der dänische Ingenieur Durloo veranstaltete 1955 in Kopenhagen einen öffentlichen Crashtest, bei dem ein Auto von einem Kran senkrecht fallen gelassen wurde, um einen Aufprall bei 80 km/h zu simulieren. Das Versuchsobjekt: ein ´34er Buick. Die Münchner Illustrierte war damals vor Ort, und so sind wir über die Archivbilder gestolpert, die wir gerne mit  Ihnen teilen möchten. Die Berichterstattung ist ebenfalls original aus der Münchner Illustrierten Nr. 18 vom 30. April 1955. Schmunzeln ist erlaubt!

Es ist was faul im Staate Dänemark
Der Buick wird an einem Kran in die Höhe gezogen. Die Tiefe des Falls ist so berechnet, dass die Geschwindigkeit des Wagens zum Zeitpunkt des Aufpralls genau 80 km/h beträgt. Es folgt: Ein Drama in vier Akten…

„Da kommt er: Zwanzigtausend Kopenhagener schauten in die Luft, als ein alter Buick, Baujahr 1934, von einem Riesenkran hochgezogen und ganz oben ausgeklinkt wurde. Die etwas komplizierte Methode, das Auto unbrauchbar zu machen, hatte einen tieferen Sinn: Herr Durloo, Vorsitzender der dänischen Verkehrswacht und Organisator dieser kunstvollen Zerstörung, wollte einmal vorführen, welche Kräfte wirksam sind, wenn ein Wagen im Achtzig-Kilometer-Tempo verunglückt und gegen ein festes Hindernis rast.“ „Schneller und schneller stürzte das Vehikel am Kran entlang abwärts. Wie Experten ausgerechnet hatten, dauerte die Flugzeit, an deren Ende das Auto eine Fallgeschwindigkeit von achtzig Kilometern je Stunde erreichte, ganze zweieinviertel Sekunden. Auf den Vordersitzen des Wagens saßen zwei angeschnallte Schaufensterpuppen: Ihr Zustand nach dem Aufprall sollte die Autofahrer unter den Zuschauern zu ich-bezogenen Vergleichen anregen und sie mahnen, in Zukunft vorsichtiger zu fahren.“


„Wie eine Bombe krachte der Buick unter ohrenbetäubendem Getöse in den Boden. Was das menschliche Auge im Bruchteil von Sekunden nicht wahrnehmen konnte, hielt die Kamera fest: der Kühler des Wagens schob sich wie der Balg einer Ziehharmonika ineinander. Massives Eisenblech wurde zerknittert wie Papier, kompakte Stahlteile verbogen sich wie Blech. Dann fiel das Auto auf den Rücken und löste sich in seine deformierten Bestandteile auf.“ „Ein Haufen Schrott war das Ergebnis von Herrn Durloos Experiment. Selbst Zuschauer, die nur gekommen waren, um die großzügig inszenierte Zertrümmerung zu genießen, zeigten sich durch das Ausmaß der Vernichtung unangenehm berührt und beeindruckt. Der Zustand der Puppen, die sich losgerissen hatten und vollständig zerschmettert wurden, verfehlte nicht seine pädagogische Wirkung. Mancher Autofahrer aus dem Publikum wird immer wieder an sie denken müssen, wenn er am Steuer sitzt und achtzig fährt.“


Mehr Bilder aus unserem neuen Fotoalbum Automobile der Fünfzigerjahre finden Sie hier. Mit Bildern vonTanteLuise, 1Frido2, xingxeng und Dillo.

Haben Sie Interesse an weiteren Artikeln aus den 50er Jahren? In unserer Rubrik Fundstücke, zeigen wir Ihnen in regelmäßigen Abständen Schmankerl aus den Themenbereichen Kultur, Sport, Mode & Schönheit, Stars & Adel und Alltag.

Kommen Sie gut durch die Ferien und fahren Sie vorsichtig! Bis zum nächsten Fundstück grüßt Sie

Ihr Timeline Images Team