Jugendliche in Kopenhagen, 1965

Weder progressiv aggressiv, noch systemzersetzend oder machtbesessen – die „Gammler“ waren in den 1960er Jahren eigentlich eine friedliche Protestgemeinschaft in europäischen Großstädten, die ihre Ablehnung gegen die Leistungsgesellschaft, Bürgerlichkeit und Statussymbole für niemanden als sich selbst inszenierten. Wahrscheinlich war es der betont nach außen zur Schau gestellte alternative Lebensstil, der den Generationenkonflikt verdeutlichte und den noch vom Nationalsozialismus geprägten älteren Bürgern sauer aufstoßen ließ. In unserer heutigen Geschichte zum Bild macht uns Timeline-User Hubertus Hierl mit zwei dänischen „Gammlerinnen“ bekannt, die mit ihren langen Haaren stereotypisch für die Generation standen.

Jugendliche mit Parka in Kopenhagen.

Jugendliche in Kopenhagen, 1965   © Hubertus Hierl

„Universitätsviertel Kopenhagen im August 1965: An diesem Tag entsteht eine ganze Serie von Bildern, die etwas von dem Lebensgefühl der ‚Gammler‘, jungen, langhaarigen und gleichgültig wirkenden Menschen, wiedergeben: Die Bewegung des ‚Gammelns‘ – das heißt des ‚langsam tätig seins‘ entsteht Mitte der Sechziger als Protest gegen das bürgerliche Leben, ein Protest gegen die Elterngeneration. Es geht das geflügelte Wort um: ‚Arbeiten? Seh’n wir so aus?‘ Weitere Auffälligkeiten: Sie haben sich dem aktiven Nichtstun verschrieben. Es gilt: Take it easy. Haben diese jungen Leute irgendwelche Vorbilder? Ja: Diogenes. In allen größeren Städten haben sie ihre Treffs: In Paris die Rue de la Huchette am linken Seineufer, in München der Feilitzschplatz in Schwabing und in Amsterdam treffe ich sie beim National Monument am Dam. Die Gammlerbewegung schwappt auch nach Deutschland über, sehr zum Leidwesen des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard: ‚Solange ich regiere, werde ich alles tun, um dieses Unwesen zu zerstören.‘

Alle Bilder aus der Reihe finden Sie in unserem Fotoalbum Jugendliche in der 1960ern. Und auf Pinterest haben wir passend zum Thema die Pinnwand Jugendliche, 60er Jahre zusammengestellt.

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Ein kleiner Junge, der einen Teppich knüpft und ein kleines Mädchen, das ihm dabei zusieht ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten? Wohl kaum, denn auch heute noch ist Kinderarbeit in Pakistan und in vielen anderen Ländern der Welt traurige Realität. Die Frage, ob man durch seine Konsumentscheidung die Arbeiter und ihre Familien finanziell unterstützt oder dafür sorgt, dass das System bestehen bleibt, kann wohl jeder nur für sich selbst beantworten. Als unser Timeline-Fotograf Schneckes sich einen handgeknüpften Teppich als Erinnerungsstück kaufte, hoffte er zumindest, dass der Junge für seine harte Arbeit „auch ein paar Pfennige abbekommen“ hat wie er uns in unserer aktuellen Geschichte zum Bild erzählt.

Ein Junge knüpft einen Teppich. Die kleine Schwester schaut ihm dabei zu.

Pakistanischer Junge beim Teppichknüpfen, 1975 © Schneckes

„Von meiner Pakistanreise wollte ich unbedingt einen handgeknüpften Teppich mitbringen. So führte mich mein pakistanischer Freund in Gujranwala zu einer Teppichknüpferei. Der Besitzer begrüßte uns in einem ansehnlichen Haus und erklärte mir bei Tee und süßem Gebäck die Kunst des Teppichknüpfens. Dann führte er uns zu seiner „Manufaktur“. Welch ein Gegensatz zu seiner Wohnung! Der staubige, sandige Hof hatte an einer Seite nur ein Dach, dies war die Arbeitsstätte. Darunter standen die sieben Knüpfstühle. Es war trotz der gleißenden Sonne recht duster. Hinter jedem Knüpfstuhl saß ein Junge, der an den straffgespannten Kettfäden die farbige Wolle knotete, dann mit einer Sichel die Fäden trennte und mit einem Schlegel die Knoten festschlug. Der Knüpfer am letzten der hintereinander stehenden Stühle war wohl der Capo. Er hatte ein Blatt, auf dem die Knüpfanleitung stand. In einem Singsang wies er die vor ihm Arbeitenden an, was sie knüpfen sollten: ‚Zweimal Rot, viermal blau‘. Stolz meinte der Besitzer, dass er so nur einen Arbeiter brauchte, der lesen konnte. Außerdem könnten die Jüngeren mit ihren kleinen Händen viel geschickter knüpfen. Ich habe mir dann einen Teppich ausgesucht und gekauft. Der ausgehandelte Preis war für mich ok, der Besitzer der Teppichfabrik war sicherlich auch mit dem Handel zufrieden. Der Junge, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang am Webstuhl hockte, hat sicherlich auch ein paar Pfennige abbekommen.“

Über 600 Bilder von unserem Fotografen Schneckes finden Sie in unserer Datenbank. Auf Pinterest haben wir für Sie noch mehr Bilder von Pakistan in den 1970er Jahren gesammelt.

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Heute alltägliche Normalität, damals nicht existent: Warmes Wasser aus der Leitung. Um zu baden, musste man erst einmal Wasser mit dem Kohleherd zum Kochen bringen und die Temperatur dann durch Zuschütten regeln. Ein zeitintensives Unterfangen! Wie das in Ihrer Familie vonstatten ging, erzählt uns unsere Fotografin Silke Kruse in der aktuellen Geschichte zum Bild. P.S.: Sie veröffentlichte dieses Foto übrigens schon in ihrem Buch über die 50er Jahre „Und doch war vieles ganz anders“.

Szene in einfacher Wohnungsküche Anfang der 50er-Jahre. 6-jähriges Mädchen sitzt in Zinkbadewanne, daneben seine Mutter. Einfachste Küchenausstattung mit Kohleherd - so wie damals häufig.

Kleines Mädchen in Zinkbadewanne, 1953   © Silke Kruse

„Das Bild hat mein inzwischen verstorbener Vater am 9. Januar 1953 aufgenommen (so genau hat er im Fotoalbum ‚Buch geführt‘). Abgebildet bin ich als 6-jähriges Kind sowie meine inzwischen verstorbene Mutter. Zu den traditionellen Regelmäßigkeiten der Nachkriegszeit gehörte auch im zerstörten Hamburg das ‚Bad am Sonnabend‘. Weil es in vielen Haushalten kein Badezimmer gab, wurde in der ohnehin engen und karg ausgestatteten Küche der Esstisch an die Seite gerückt und an seine Stelle eine Zinkwanne auf zwei kräftige Hocker gestellt. So wie auf unserem Foto aus dem Jahre 1953 sah es damals vielfach in Hamburg aus. Im Mittelpunkt stand der klassische Kohleherd. Wenn das Feuer brannte, hatte man immer warmes Wasser zur Verfügung. Mit einem Feuerhaken konnte man einzelne Eisenringe über der Kochstelle herausnehmen, so dass verschieden große Eisentöpfe direkt über der Flamme standen. Damit konnte dann die Wärme besser genutzt werden. Die Wanne wurde dann mit dem auf dem Kohleherd erhitzten Wasser gefüllt, das man durch das Zuschütten auf die richtige Temperatur brachte. Warmes Wasser aus der Leitung gab es nicht. Klar, dass man deshalb mit dem Wasser sparsam umging. So kam ein Kind nach dem anderen in dasselbe Wasser. Manchmal ging es auch gemeinsam in die Wanne. Das machte Spaß! Geweint wurde dann allerdings beim Haarewaschen, wenn das Seifenwasser durch den vor die Augen erhaltenen Waschlappen drang und brannte. Gewaschen wurde nämlich mit Kernseife. Erst wenn die Kinder dann im Bett waren, war die Mutter dran. Die Kinder durften sie ja nicht nackt sehen. Das war in Hamburg nicht anders als im übrigen Deutschland.“

Auf unserer Website haben wir für Sie ein Fotoalbum mit Bildern aus dem Jahr 1953 zusammengestellt. Außerdem finden Sie auf unserer Pinterest-Pinnwand Best of 50er Jahre die schönsten Motive aus dem Nachkriegsjahrzehnt.

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Kind beim Spielen, um 1949

Nach dem Krieg spielte man mit dem, was da war – mitunter auch mit Dingen, die für Kinder eher ungeeignet sind.  In unserer aktuellen Geschichte zum Bild erzählt uns Community-Mitglied USchoierer, wie sie damals mit den anderen Kindern vom Hof gefährliche Gerätschaften als Spielsachen umfuktionierte und warum das fast ins Auge gegangen wäre.

Ein Kind spielt mit Alltagsgegenständen, da es damals so gut wie keine Spielzeuge gab.

Kind beim Spielen, um 1949   © USchoierer

„Mein Spielplatz vor dem Haus im Hof der Holzstraße 49 in München – inzwischen ist irgendwo her ein Sieb aufgetaucht. Die übrigen Spielsachen waren sehr bescheiden. Meine Mutter hatte ein kleines Beet eingefasst, um Tomaten und ein paar Kräuter anzubauen. In den Bergen von Schutt und Asche, Ziegeln und Glas lagen sicher auch allerlei gefährlichen Substanzen, die zugedeckt waren. Im Hintergrund, meine ich, liegen noch ein paar Batterien oder Akkumulatoren. Die großen Autobatterien konnten wir für unsere fantastischen Spiele gut gebrauchen. Diese Freude endete sehr plötzlich, da ich an der Hand eine Blutvergiftung (vom Blei) bekam und wortwörtlich im letzten Augenblick beim Arzt landete.“

 

 

Weitere Bilder aus dem Bayern und München der Nachkriegszeit finden Sie in unseren Fotoalben Menschen im Nachkriegsbayern, München in der Nachkriegszeit und zerstörtes München in Farbe.

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Draußen sitzen, lesen, die Seele baumeln lassen oder Musik hören: Endlich lockt uns der Sommer für die verschiedensten Aktivitäten nach draußen. In unserer aktuellen Geschichte zum Bild erzählt uns Community-Mitglied Hubertus Hierl von Jugendlichen in Kopenhagen, die die Sommerzeit perfekt zu nutzen wussten und dabei noch – bewusst oder unbewusst – das Sinnbild einer neuen Bewegung verkörperten.

Jugendliche Schönheit genießt bei Musik den Sommertag an einem Brunnen in Kopenhagen.

Die Schöne mit dem Kofferradio, 1965 © Hubertus Hierl

„Kopenhagen, Universitätsviertel, ein Platz mit einem großen Brunnen. Erstmals begegne ich hier diesen jungen Leuten, die als Gammler herumlungern. Besondere Kennzeichen: jung, langhaarig, ungepflegt, gleichgültig gegenüber der Umwelt. Und sie laufen in verschlissenen, beschmierten und beschrifteten Klamotten herum. Weitere Kennzeichen: Sie haben sich dem aktiven Nichtstun verschrieben. Nicht so diese blonde jugendliche Schönheit. Sie hat sich auf dem Brunnenrand niedergelassen, genießt die Sommersonne und lauscht den neuesten Hits aus ihrem Kofferradio. In ihrem Aussehen erinnert sie an Brigitte Bardot, damals Idol aller Mädchen und jungen Frauen. Sie ist so in die Musik versunken, dass sie mich nicht bemerkt, wie ich meine Kamera auf sie richte und auf den Auslöser drücke.“

In unseren Fotoalben „Happening in Schwabing, 60er Jahre“ oder „Jugendliche, 60er Jahre“ finden Sie, rechtzeitig zum 50. Jahrestag der ersten Studentenproteste, weitere Bilder von extravaganten Schönheiten und lässigen Gammlern. Wenn Sie Protest lieber in niedergeschriebener Form betrachten möchten, dann schauen Sie doch einfach auf unserer Pinterest-Pinnwand „Sprüche“ vorbei. 

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Blumenbinderin mit Kranz, 1926

Zugegeben, unsere lustige Geschichte zum Bild im November ist ganz schön versteckt. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass unser Community-Mitglied Schmid die authentischen und lebhaften Kindheitserinnerungen ihrer Mutter an diese Zeit mit uns teilt. Die Fotografie aus dem Jahre 1926 zeigt eine junge Auszubildende, die vor Johanna Schweigers Blumenladen am Münchner Ostfriedhof einen Blumenkranz schmückt. Die Mutter unserer Userin verknüpft mit dem Bild zahlreiche fröhliche Begegnungen mit keinem Geringeren als dem berühmten Komiker Karl Valentin aus der Münchner Au. Die Erinnerungen an seine Besuche im Blumenladen bezeugen, dass der Humorist, der übrigens ein Sammler alter Fotografien aus München war, auch im Alltag den Humor im Herzen trug.

Auszubildende im Blumengeschäft von Johanna Schweiger am Ostfriedhof arrangiert Blumen an einem Kranz. ?Der Karl Valentin kam in dieser Zeit oft in unser Blumengeschäft an der Tegernseer Landstraße und seine erste Frage war dann: ?Wo is mei kleines Fräulein, des mia mein Hund zsammsitzt?? Dann ist die Leine unten an einem Hocker eingeklemmt worden, und ich hab mich draufsetzn müssn, damit der Hund, des war so a bissl a Stiagnglandamischung, nicht den Stuhl durch das ganze Geschäft gezogen hat. An seinem Halsband war ein kleins Tascherl ghängt und in dem ist ein Zettl dringsteckt: Ich heiße Fifi und gehöre dem Komiker Karl Valentin?. Der Valentin war groß und sehr mager, er hat immer ein bissl traurig und auch krank ausgschaut.? Und wenn?s ans Zahlen gegangen ist, dann hat er einen von seine Schuh auszogn und neben der Kasse abglegt??

„Der Karl Valentin kam in dieser Zeit oft in unser Blumengeschäft an der Tegernseer Landstraße und seine erste Frage war dann: ‚Wo is mei kleines Fräulein, des mia mein Hund zsammsitzt?‘ Da Hunde nicht mit auf den Ostfriedhof durften, musste er seinen ja inzwischen irgendwo lassen… Dann ist die Leine unten an einem Hocker eingeklemmt worden und ich hab mich draufsetzn müssn, damit der Hund, des war so a bissl a Stiagnglandamischung (hochdeutsch: Mischlingshund), nicht den Stuhl durch das ganze Geschäft gezogen hat. Weiterlesen

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