Sonntagsausflüge

Alltag : Ab ins Grüne!

Erstkommunion Sonntag für Sonntag strömen die Stadtbewohner auf der Jagd nach Erholung hinaus ins Freie. Parks und Schwimmbäder füllen sich mit einem unübersehbaren Gewimmel und Fußgängerkolonnen kriechen durch die Landschaft.  Vielleicht sind es Gewohnheit und eine innere Unruhe, die Sonntag für Sonntag die Menschen aus den Städten treibt. Lust am Reisen, Hang zur Abwechslung, der Wunsch nach Erholung um jeden Preis, und ein wenig Sehnsucht nach dem verlorengegangenen Leben in der Natur. Dass diese Beobachtungen aus den 50er Jahren sich kaum von der heutigen Zeit unterscheiden, sehen Sie sich in unserem Fundstück von Kurt Schraudenbach aus der Münchner Illustrierten Nr. 29 vom 17. Juli 1954.

 

Raus aus dem Alltagüberschrift

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Das müßten die Kinder sehen! Zu Hause dürfen sie sich nicht rühren, wenn Vater sein Mittagsschläfchen macht. Hier dudeln Kofferradios und kläffen Hunde. Kinder schreien und Stechmücken landen zielsicher auf Vaters Weideplätzen. Er aber schläft friedlich weiter. Hat ihn das Radfahren müde gemacht? Oder nimmt er’s am Sonntag nicht so genau? Dann hätte er die richtige Einstellung zum Wochenende…
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Was nun? Der Zug ist weg. Das kommt davon, wenn man sich zu sehr auf die Pünktlichkeit der Straßenbahn verläßt. Sollte sie heimgehen oder auf den nächsten Zug warten? – Natürlich wartet sie, denn sie hat sich ja schon die ganze Woche über auf den Sonntag und die Fahrt ins Grüne gefreut.
Mammutparkplätze in idyllischer Landschaft. Unaufhörlich kommen neue Autokolonnen angerollt, Omnibusse und Motorräder laden menschliche Fracht ab. Den Verwandten und Bekannten, denen der Tourist durch Flucht in die Natur entgehen wollte, begegnet er hier in überfüllten Wirtschaften und Cafés.
Mit tropfenden Kleidern kommen die Touristen nach einer Kahnfahrt wieder an Land.  Es schüttete als sie zum Bootssteg zogen, und es goß die ganze Zeit, während sie durchweicht und frierend über den See schaukelten. Und trotzdem brachten es die Menschen nicht fertig, auf ihren Sonntagsausflug zu verzichten.
„Wo bleibt er denn? Wo bleibt er denn?“ In zwei Minuten fährt der Zug. Oh, dieser Mann! Erst stellt er sich am falschen Fahrkartenschalter an, und dann fällt ihm ein, daß er auch noch Zigarren braucht. Endlich, da hinten kommt er. „Bin scho da!“ ruft er wie Karl Valentin und stürzt sich schweißgebadet ins Sonntagsvergnügen.
Zuschauer an der Strandpromenade. Nur ein wenig zusehen wollen sie; den weißen Segelschiffen die über den See kreuzen; den eleganten Menschen, die vorbeistolzieren; den Hunden, die aus dem Wasser Holzstückchen apportieren. Touristenhast und Sonntagsrummel brechen sich an diesen Bänken des Schweigens, der Ruhe – und der gesunden Langeweile.
Seerundfahrten zu halben Preisen genießen die Ausflügler auf dem überfüllten Motorschiff. Dichtgepfercht sitzen sie wie zur Stoßzeit in der Straßenbahn und lassen sich die frische Brise um die blassen Städternasen wehen. Für ein paar Stunden den grauen Straßenschluchten entronnen, bestaunen die Menschen das seltene Erlebnis der langsam vorbeiziehenden Natur.
An der Großstadt-Riviera, im Familienbad, herrscht sonntags Hochbetrieb. Wie Bratheringe in der Büchse liegen dicke und dünne Körper auf der Liegewiese, ächzen wohlig, schwitzen, kriegen Sonnenbrände. Und überall sind Kinder. Auf den Steinplatten am Wasser stehend, laufend, laut schreiend von der Rutschbahn gleitend, verbringen sie einen Sonntag im billigen Paradies.
„Malerwinkel“ heißt eine besonders schöne Stelle am bayerischen Königssee. Früher saßen die Kunstmaler hier und versuchten, den See und seine Bergkulissen auf die Leinwand zu zaubern. Jetzt ist der Malerwinkel Treffpunkt der Touristen. Selbst an verregneten Sonntagen stehen sie dort in Massen und starren über das Wasser nach den Bergen, die hinter nassen Schleiern liegen.


© Münchner Illustrierte 1954 Fotos: Kurt Schraudenbach


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