Reise an die Côte d’Azur, 1960

Côte d’Azur und Karmann-Ghia Cabrio. Diese beiden Namen lösen heute wie damals Gefühle aus, die all jene, die die felsigen Buchten Südfrankreichs erleben und Hand an das Lenkrad eines Cabrios legen durften oder nur von beiden träumten, bestens kennen. Das trifft auch auf unsere Timeline-Userin Ilka Franz zu. Im Sommer des Jahres 1960 reiste sie zunächst nach San Remo und Genua, schließlich an die Côte d’Azur. Ihre Leidenschaft für diesen Ort erzählt sie uns mit einer Anekdote zu dem Foto einer jungen Frau am Steuer eines Cabrios an einer Küstenstraße – unsere Geschichte zum Bild im Juli:

Reise an die Côte d'Azur, 1960

„Achtzehn Jahre – harter Job, harte Zeiten. Ich will endlich das Meer sehen. Alassio war damals schon fest in deutscher Hand. Als Alassio-Reisende trug man Bettelarmbänder mit Goldmünzen am Handgelenk. Ich wollte nicht nach Alassio – ich wollte die Côte d’Azur sehen!

Frankreich hatte leider zu der Zeit mit den Deutschen noch nichts am Hut. Also dann ein Gästezimmer in San Remo, die nächstgelegene Möglichkeit, Frankreich wenigstens von sehr Weitem nahezukommen. Das Meer erblickte ich vom Fensterplatz des Zuges, als ich nach Genua ‚um die Ecke‘ fuhr. Es war noch eindrucksvoller, noch größer, noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte.

Zu der Zeit hatte man in meinem Alter noch einen Vormund, aber keinen Führerschein und auch kein Cabrio – aber ein Cabrio stand neben dem Meer ganz oben auf der Wunschliste. Mein Vormund wähnte mich in sicherem Gewahrsam in einem möblierten Gästezimmer, das von einem Reisebüro empfohlen worden war. Er wusste nicht, dass ich mir zwecks Beweglichkeit einen netten jungen Mann nach San Remo bestellt hatte, der zwar kein Geld für die Übernachtungen hatte, dafür aber Besitzer eines Karmann-Ghia Cabrios war – für mich Priorität, für ihn eine Schlafgelegenheit. Das hübsche Foto ist also insoweit ein Fake, dass ich weder Führerschein- noch Cabriobesitzerin war, was mich jedoch nicht davon abhielt, mir mal ein Vorgefühl davon zu verschaffen.

Ich – jung, Was-kostet-die-Welt-Gefühl, verliebt in das Leben – ich hatte es aus eigener finanzieller Kraft geschafft, allein mit zwei vollgestopften Überseekoffern nächtens durch fremde Länder zu rollen, um das Meer zu sehen. Und das Glücksgefühl, als es mir dann dank meiner automobilen Fahrkarte auch noch gelang, die Côte d’Azur zu sehen, hat sich so tief in mir eingegraben, dass es auch heute noch jederzeit abrufbar ist.

Die Côte d’Azur genossen wir zwei Tage. Die zwei dazugehörenden Nächte verbrachten wir auf dem Kiesstrand in Nizza und sahen zu, wie die Fischer um 4.30 Uhr ihren Fang hereinbrachten.“

Foto: Reise an die Côte d’Azur, 1960 © Ilka Franz

Alle unsere Bilder mit einer Geschichte finden Sie unserem Album.

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