Menschen gesucht

Beruf – Aus den „Wartesälen“ der Mode und Kunst

Keine Mechanisierung, keine Automatisierung des täglichen Lebens kann den Typ, die Persönlichkeit, das Gesicht und die Begabung ersetzen, daran hat sich auch seit den 50er Jahren nichts geändert. Darum werden unablässig weiter in zahllosen künstlerischen Ateliers und Geschäftsbetrieben Menschen gebraucht und Menschen gesucht. Meist handelt es sich nur um Beschäftigung für wenige Tage oder sogar Stunden. Und leider ist festzustellen: der nur selten großen Nachfrage steht ein unverhältnismäßig starkes Angebot an Personen gegenüber, die sich tagtäglich einen kurzfristigen Verdienst auf diesen Gebieten suchen müssen. Es sind Menschen jeder Art und jeden Alters, Mannequins, Schauspieler, Sänger, Kleindarsteller, Komparsen und Studenten. Für alle heißt es jeden Tag aufs neue: Warten und Hoffen. Warten auf den Minimumverdienst und Hoffen auf die „große Chance“. Schauen Sie in unser Fundstück aus der Münchner Illustrierten Nr. 43 vom 26. Oktober 1957.

 

 

Ein Bericht aus den „Wartesälen“ der Mode und Kunst

 

 
 
Modellbörse: Die graziöse Sechzehnjährige, deren Halbakt der „bulgarische Schwabinger“ Konstantin Garneff gerade malt, ist eins der gesuchtesten Modelle der traditionsreichen Münchner Modellbörse in der Akademie der Bildenden Künste.
   
Modellbörse: Garneff wird durch seinen Kollegen, den bekannten Maler Franz Thurner, bei der Auswahl seines Modells unterstützt. Die tariflichen Honorarsätze schreiben vor: 3 DM pro Stunde für ein Aktmodell, 2 DM für Modellstehen im Kostüm, 1,5o DM für eine Porträtsitzung. Nicht nur Schönheit, Jugend und Ebenmaß befähigen zum Modellstehen. Der Künstler braucht Typen jeder Art und jeden Alters. Die Modellbörse verfügt über rund 30 ständige Modelle, unter denen sich auch Sportler, Arbeiter, Hausfrauen und Kinder befinden. 
Studentenschnelldienst: Der Student, der hier einer Familie beim Umzug hilft, hat seinen Auftrag am Schalter des Studentenschnell-dienstes bekommen, bei dem er sich – wie immer an freien Vormittagen – um acht Uhr morgens gemeldet hat. Außer ihm warteten noch zwanzig andere Studienkollegen und -kolleginnen auf Arbeitsvermittlung. Alle kamen an die Reihe. Die meisten bevorzugten Ganztags-beschäftigung; Stundenarbeit wie Babysitten und Teppichklopfen schätzen sie weniger. Der Tarif für Arbeiten leichterer Art beträgt 1,50 DM.
   
 
Mannequin-Studio: Die zwei Grazien Henny und Ingrid, die sich hier während einer Vorführpause an der Limonadebar erfrischen, sind Kursusteilnehmerinnen des Münchner Mannequin-Studios Jutta Roth. Für den sechs Wochen währenden Lehrgang haben sie 95 DM bezahlt. Die Ausbildung umfaßt alle Sparten des Mannequin- umd Photomodellberufs, d. h. neben ästhetisch einwandfreiem Gehen, Stehen und Vorführen auch Gymnastik und Kosmetik. Wenn sie ausgelernt haben, werden Henny und Ingrid bei Einzelschauen 40 bis 50 DM und auf Reisen rund 25 DM Tageshonorar verdienen. Schon jetzt kommen Werbechefs ins Studio, um den Nachwuchs zu überprüfen.
 
 

© Münchner Illustrierte 1957 Fotos: A. Strobel
 
Bilder zum Thema Künstler finden Sie übrigens in unserer Community auf www.timeline-images.de. Noch mehr spannende Artikel aus der Münchner Illustrierten finden Sie in regelmäßigen Abständen in unserer Rubrik Fundstücke, zusammen mit einem bunten Potpourri aus den Themenbereichen Kultur, Sport, Mode & Schönheit, Stars & Adel, Politik, Wirtschaft, Urlaub, Beruf und Alltag. Lassen Sie sich überraschen!

Ihr Timeline Images Team

PS: Wenn Ihnen unsere “Fundstücke” gefallen, sind Sie herzlich eingeladen, diese mit Ihren Freunden und Bekannten zu teilen, z. B. über unseren “Share”-Button: