Fundstücke – Pendlerpauschale

Alltag – Die Einführung der Pendlerpauschale

Viel wird geschimpft auf den Staat, dessen „ruhige Hand tief in den Taschen der Bürger steckt und immer wieder Geld herausnimmt, statt welches hineinzulegen“, wie die Frau Bundeskanzlerin sich einmal über die Politik ihres Vorgängers auszulassen beliebte.
Völlig untypisch scheint uns daher ein Ereignis, das sich in diesen Tagen zum 55. Mal jährt: die Einführung der Entfernungspauschale, im Volksmund (und in Österreich) „Pendlerpauschale“ genannt. Diese Erfindung sorgt dafür, dass Menschen, die einen langen Weg zum Arbeitsplatz haben, von Vater Staat ein wenig Geld zugesteckt bekommen, um für die leidigen Sprit- und sonstigen Kosten aufzukommen, die mit dem Unterhalt eines Vehikels einhergehen. Aus der Münchner Illustrierten Nr. 19 vom 17.05.2011 präsentieren wir:





„Vater Staat war einmal großzügig: auch Lohnsteuerzahler dürfen jetzt steuerbegünstigt mit Roller, Motorrad oder Auto zur Arbeit fahren.“

Mit einem Kilometerzähler prüft der Finanzbeamte die Angaben des Klienten nach. Erst prüfen - dann genehmigen, heißt die Devise



Pauschale Freude: Fröhlich besteigt die Münchner Lehrerin Hella S. ihr Moped. Für die vierzehn Kilometer, die sie täglich von ihrer Wohnung zur Schule fährt, hat sie jetzt 470 Mark weniger zu versteuern.

Das Finanzamt bewilligt: Zweiundzwanzig Pfennige pro Kilometer mit dem Motorroller, oder dem Motorad und fünfzig Pfennige pro Kilometer mit dem Auto. Finanzminister Schäffer, der stets um das Staatssäckel besorgt ist, erleidet kaum Einbußen: Fahrzeug- und Benzinsteuer machen den Ausfall wett.

Fotos: Heinz Hering
© Münchner Illustrierte 1955

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Ihr Timeline Images Team