Europa als Idee

POLITIK – Wer will denn das?!

Zeus Liebe zur schönen Europa war so groß, dass er sich in einen Stier verwandelte, um sie für sich zu gewinnen. Unsere Liebe zu Europa ist wechselhaft: Freuen wir uns einerseits über die Freiheiten, die Europa ermöglicht, so haften dem Gedanken Europa andererseits die Schuldenkrise, Lohndumping und die vermeintliche Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer an. Doch was hielt man im Jahre 1950, also noch Jahre vor Bestehen der Römischen Verträge, vom europäischen Gedanken? Das zeigen wir Ihnen heute in unserem Fundstücks aus der Münchner Illustrierten Nr. 44 vom 02. Dezember 1950. Walter Mechtel und Hannes Betzler haben sich dazu auf den Weg zur italienischen und österreichischen Jugend gemacht.

  

 

Mit dem Europa-Wagen durch Österreich und Italien  

 

Nach dem Hissen der E-Fahne marschierten die jungen Italiener, die diese Aktion durchgeführt haben, mit riesigen Buchstaben durch Mailand. Solche Demonstrationen mögen manchem „kindisch“ erscheinen: doch in Wahrheit üben sie vermutlich eine größere Wirkung aus, als die nur theoretischen Unterhaltungen der Staatsmänner in Straßburg.
 
Ohne Schwierigkeiten passierten wir die österreichische Grenze; und Gendarmen gaben uns Glückwünsche an die europäische Jugend mit. Die deutschen Grenzer meinten, sie könnten nur „privat“ für Europa sein.
In Innsbruck fand eine Volksbefragung statt, an der sich spontan 80 v. H. der Wahlberechtigten beteiligten, von denen 90 v.H. für Europa stimmten. Der Veranstalter, Obmann Canal von den „Universalisten“, war von der Zahl der Stimmzettel überwältigt.
Sinnbild der Friedens war für uns die größte Glocke Italiens, in Rovereto, auf der das Lied vom „guten Kameraden“, in ehernen Lettern, in deutscher Sprache, zu lesen ist. Sie wird so lange läuten, so lange es in Europa einen Frieden gibt.
Zehn Stunden Haft haben wir in Mailand verbracht, weil uns die Polizei wegen des rotangestrichenen Autos für Kommunisten hielt. Der Sekretär des „Movimento Europeo“ überzeugte endlich die Polizeioffiziere, daß wir im Gegenteil – für Europa, für den Frieden seien.
Man muss nicht organisiert sein und kann doch für den Europa-Gedanken werben – so meinten diese Tiroler Lehrerstudenten, die wir beim Stiftungsfest antrafen. Begeistert verarbschiedete sich die „Amelungia“ von unserem Europa-Wagen.  
 
 

© Münchner Illustrierte 1950 Fotos: H. Betzler 

 

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