Die Frauenquote

Wirtschaft – Jeder fünfte Chef trägt einen Rock

Sind Frauen die besseren Chefs? Dem müsste man eigentlich zustimmen, wenn man möchte, dass mehr Frauen Chefs werden und wenn man für die Frauenquote ist.

Grundsätzlich wird Frauen in der Chefetage vorgeworfen, sie wären risikofeindlich, sie hätten weniger Erfahrung als Männer und zu wenig Biss. Aber es gibt auch Stimmen, die sagen, Frauen sind sogar schlimmer als Männer, weil sie besser als diese sein wollen.

In den 50er Jahren war jeder fünfte Chef eine Frau. Nach der Frauenquote müsste das heute jede Dritte sein.

Schauen Sie in unser Fundstück aus der Münchner Illustrierten Nr. 23 vom 8. Juni 1957, wer beim Kongreß der Unternehmerinnen in Bad Godesberg war und was die 400 Unternehmerinnen zu sagen hatten.







 

Beim Kongreß der Unternehmerinnen in Bad Godesberg machten unsere Reporter die überraschende Feststellung:


Von Kopf bis Fuß auf Wirtschaft eingestellt ist Madame Yvonne Edmond-Foinant, die nach dem Krieg die „Internationale Vereinigung der Unternehmerinnen gründete. Zunächst von den Wirtschaftskapitänen mitleidig belächelt, wurde diese Gründung der rührigen Frau Präsidentin, die in Frankreich eine Werkzeugfabrik besitzt, bald ein beachtlicher Interessenverband. In Bad Godesberg traten 400 Unternehmerinnen mit einem gewichtigen Kongreß erstmals in breiter Front an die Öffentlichkeit. Die 200 deutschen Gastgeberinnen machten kein Hehl daraus, daß das schwache Geschlecht am Wirtschaftswunder stark mitgewirkt hat.
 
Erfolg ist nicht nur Männersache: Frau Helen Dunn aus London ist der lebende Beweis dafür. Sie ist Inhaberin und Direktorin eines Büros für Schiffsreparaturen, das 35 Filialen in aller Welt besitzt und vielen Hundert Männern, die stolz auf ihre Chefin sind, Arbeit gibt. 
Charme und Intelligenz vereint die Belgierin Georgette Hubert, die eine pharmazeutische Fabrik besitzt. Sie lebt mit ihrem Mann in Brüssel. Viele der Anwesenden haben im Krieg den Gatten verloren und mußten über Nacht die Leitung der Betriebe übernehmen. 
Stahlwaren werden in der Fabrik von Fräulein Farmer aus London hergestellt. Sie ist mehrfache Millionärin. Die Unternehmerinnen kommen aus fast allen Branchen der Wirtschaft. Die Besitzerin einer englischen Waffenfabrik konnte wegen „Überlastung“ nicht erscheinen. 
Star unter den weiblichen Bossen war zweifelsohne Frau Elisabeth Haub, Inhaberin einer bekannten Firma des Lebensmittelhandels. Frau Haub hat 8000 Angestellte. Die Präsidentin der deutschen Unternehmerinnen, Käte Ahlmann aus Schleswig, ist „Herr“ über 2500.

© Münchner Illustrierte 1957 Fotos: H. Betzler


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