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Rückblick: Fotoaufruf Bayern in der Nachkriegszeit

Zerstörtes Siegestor in München, um 1945 Alte Pinakothek in München, um 1945 Kinderfasching in München, um 1949 Leuchtreklame am Stachus, 1958 Mädchen auf Rollschuhen, 1958 Gäste auf dem Oktoberfest in München, 1949 Luitpold-Theater in München, um 1950 Männer auf Hometrainer, 1952 Zeitungsverkäufer am Münchner Hauptbahnhof, 1952 Mann an der Wittelsbacher Brücke in München, 1953 München bei Nacht, 1958 Mädchen an der Isar, 1955 Kleiner Junge am Hühnerstall, 1951 Zwei Kinder in einem alten Lastwagen, 1946 Kartoffelernte in Remlingen, 40er Jahre Schulmädchen in Fuchsmühl, 1950 Gruppenausflug, um 1949 Drei Kinder auf einem Schlitten, 1954 Familie in der Küche, 1958 Familie beim Hendl-Essen, 1960 Trachten- und Schützenumzug in München, 1956

Anlässlich des 70. Jahrestages der Landesverfassung des Freistaats Bayern suchten die Süddeutsche Zeitung und Timeline Images ab Anfang Dezember 2016 Leserfotos vom Leben im Bayern der Nachkriegsjahre. Der gemeinsame Fotoaufruf entpuppte sich als voller Erfolg: Über 400 Fotos erreichten die Fotocommunity und die Redaktion.

Die vielfältigen Motive, die uns per Post und E-Mail zugeschickt oder sogar persönlich vorbeigebracht wurden, zeigen das Leben im Bayern der Nachkriegszeit in all seinen Facetten.

Statue "Rossebändiger" vor der Alten Pinakothek, um 1945 © LDoerfert

Statue „Rossebändiger“ vor der Alten Pinakothek, um 1945

Die Aufnahmen dokumentieren sehr deutlich das widersprüchliche Leben nach dem Krieg. Einige Bilder lassen das ganze Ausmaß der Zerstörung durch die Luftangriffe erahnen, wie die Diastrecke „zerstörtes München in Farbe“ von LDoerfert. Eine echte Besonderheit, denn farbige Zeitdokumente der in Trümmern liegenden Landeshauptstadt sind selten. Andere Motive zeigen wiederum die Versuche, Normalität einkehren zu lassen. Aufnahmen von gemeinsamen Ausflügen mit der Familie oder mit Freunden, vom Urlaub in den Bergen oder am See, oder von Faschingsfeiern oder Volksfesten beweisen, wie das Leben trotz Verwüstung und Verlust weiterging. A propos Fasching: Nachkriegsbayern-Fotos von Keberlein und HRath dienten als Bebilderung für einen Artikel über die Münchner Faschingstradition und erschienen in der Süddeutschen Zeitung am 3. Januar 2017 (Zugriff nur über SZPlus).

Jungen im Kinderhort, 1946 © Rieder

Damenausflug, 1955 © UWitt

Mutter und Sohn in München, 1951 © drummer

Neben der Zerstörung Münchens sind sowohl der physische als auch der psychische Wiederaufbau Thema zahlreicher Einsendungen: Wir erhielten Bilder aus ländlicheren Regionen Bayerns, die Feldarbeiten, Heu- und Kartoffelernten zeigen aber auch Kriegsflucht oder die Kinderlandverschickung dokumentieren. Hinzu kommen auffallend oft Fotos, auf denen nur Mütter mit ihren Kindern zu sehen sind, als auch viele Schnappschüsse von spontanen Alltagsszenen.

Der Fotograf Peter A. Schindler, der uns eine faszinierende Bildstrecke mit Münchner Straßenszenen zukommen ließ, wusste genau, wie er die Stimmung auf den Straßen Münchens einfängt. Sein Gespür für schöne Licht- und Schattenverhältnisse und den richtigen Augenblick honorierte die Süddeutschen Zeitung mit einem eigenen Portrait. Am 24. Januar 2017 berichtete die SZ im Münchner Regionalteil und auf SZ.de über Peter A. Schindlers fotografische Anfänge im München der Nachkriegsjahre.

Zeitungsverkäufer am Münchner Hauptbahnhof, 1952 © Schindler

Besonders spannend wird es, wenn man die persönlichen Hintergründe erfährt, die sich hinter den Bildern verbergen. In unserem Fotoalbum „Geschichte zum Bild: Nachkriegsbayern“ finden Sie Fotos mit sehr lustigen, aber auch berührenden Geschichten, die uns von Lesern erzählt und aufgeschrieben wurden.

Weitere Einsendungen aus dem Fotoaufruf können Sie auch in unseren Fotoalben „München in der Nachkriegszeit“, „Menschen im Nachkriegsbayern“ oder in unserer Bilddatenbank unter dem Stichwort „Nachkriegsbayern“ finden.

Wir bedanken uns hiermit noch einmal bei allen Lesern und Community-Mitgliedern, die uns Bilder zugeschickt haben und freuen uns schon auf den nächsten Fotoaufruf!

Stöbern Sie doch in der Zwischenzeit ein wenig in unseren zahlreichen historischen Fotoalben!

Ihr Team von Timeline Images

 

Besuch auf dem Oktoberfest in München, 1949

Das Oktoberfest 2016 ist zwar gerade zu Ende gegangen, da wir zu unserem Fotoaufruf „Die Wiesn in der Nachkriegszeit“ aber einige Bilder mit tollen Geschichten zugeschickt bekommen haben, dreht sich unsere Geschichte zum Bild im Oktober nochmal um das größte Volksfest der Welt. Timeline-Userin Metz erinnert sich an die großen Freuden und überwältigenden Eindrücke ihres ersten Wiesn-Besuchs mit der ganzen Familie im Jahr 1949.

Ein Besuch auf dem Oktoberfest in München im Spätsommer 1949. Betrachten einer Attraktion.

„Der absolute Höhepunkt dieser Tage in München war der Besuch des Oktoberfestes. Es begann schon so lustig, als wir Tante Lu trafen, die natürlich mitkam. Sie war genau die Richtige, um uns auf der Hinfahrt schon alle in die froheste Erwartung zu versetzen, und so begann der Wiesnbummel in einer so ausgelassenen Stimmung, wie ich sie bei meinen Eltern noch nie erlebt hatte. Ich erinnere mich an Karussellfahrten in Autos, auf Pferden und im Schwan, an einen Gasluftballon, der mir allerdings durch eine kurze Unachtsamkeit später in den blauen Münchner Himmel davonflog, an einen kleinen Sonnenschirm aus Papier mit lustigen Fransen, an den herrlich klebrigen Türkischen Honig, gebrannte Mandeln und Magenbrot – alles Dinge, die ich noch nicht gekannt hatte. Ich betrachtete ehrfürchtig die Achterbahn und das Riesenrad, die Geisterbahn und den brüllenden, biertrinkenden Löwen.

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Pablo Picasso in Fréjus, 1966

Im Sommer des Jahres 1966 fotografierte Timeline-User leicar6 in Südfrankreich. In einer Stierkampfarena in Fréjus entdeckt er unter den Zuschauern zufällig eine außergewöhnliche Person, die er sogleich in einem Foto festhält. Von einer unvergesslichen Begegnung vor 50 Jahren erzählt leicar6 in unserer Geschichte zum Bild im August.

„Sommer 1966, Südfrankreich. Ich bin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften unterwegs an der Côte d’Azur, um das für damalige Verhältnisse bunte und schrille Treiben der jungen Leute mit der Kamera festzuhalten. Ich befinde mich in der Nähe von Cannes. Plakate kündigen für Sonntag, den 7. August, einen Stierkampf im nahen Fréjus an. Ich fahre hin. Schauplatz der Kämpfe ist das antike Amphitheater, das aus römischer Zeit stammt.

Was nun folgt, ist eine Verkettung glücklicher Umstände. Da ist zunächst der Kartenverkäufer, der mir beim Anblick meiner beiden Leicas sogleich eine Pressekarte aushändigt, mit der ich mich in dem Zuschauerrund frei bewegen kann. Weiterlesen…

Abschiedskonzert in Riem, 1959

Ein komischer Anblick: vier Freunde, die, aus dem Schiebedach eines Kleinfahrzeuges gelehnt, enthusiastisch musizieren. Timeline-Userin Thudichum erzählt in unserer Geschichte zum Bild im Juli, was der Hintergrund dieser skurrilen Szene ist.

Freunde spielen Musik in einem Auto auf einer Straße in Bayern.

 

„Unser Freund entschloss sich nach der Trennung seiner Frau als Reiseleiter nach Spanien zu gehen. Wir wollten ihn am Flughafen Riem musikalisch verabschieden. Eine Beamtin erlaubte uns, dass wir aufs Rollfeld gelangten und ihm auf dem Rollfeld aus vollem Halse Adieu sagten. Weiterlesen…

Unsere Fotografen: Hermann Schröer

New York City, 1967 Rolling Stones Konzert in Münster, 1965 Willy Brandt während einer Demonstration, 1962 Radio City Music Hall, 1967 Oktoberfest, 1962 Kinder in Harlem, 1967 Pferdetransport in Ost-Berlin, 1962 Basketball in Manhattan, 1967 Streik in New York, 1967 Rolling Stones Konzert in Münster, 1965 Time Square, 1967 1. Jahrestag Mauerbau, 1962 Zaungäste an der Mauer, 1962 Polizist in Manhattan, 1967 Grenzübergang Friedrichstraße, 1962 Kinder in Harlem, 1967 US-Soldaten in Berlin, 1962 Harlem, 1967

Ein geschultes Auge, zur richtigen Zeit am richtigen Ort  – das zeichnet Timeline-Mitglied Hermann Schröer aus.

Hermann Schröer wurde 1941 in Oberhausen geboren. „Mein Vater – leitender Angestellter in der Schwerindustrie – wollte nie, dass ich Fotograf werde. An der Folkwangschule lernte er jedoch den dort lehrenden Professor Otto Steinert kennen, der seinen Vater dann „überreden konnte“. Nach einer Ausbildung in einem Versuchslabor in der Stahlindustrie absolvierte er schließlich ein fotografischen Studium, woraufhin es ihm gelang, sich einen Namen zu machen und für namhafte Zeitungen und Fernsehsender zu arbeiten. Seither war er professionell als Reporter und Redakteur in der Medienbranche tätig, hat an Ausstellungen und Dokumentationen mitgewirkt und fotografiert seit 2000 wieder mit regionalem Schwerpunkt. Weiterlesen…

Baron von Roehl, 1956

Wie jedes Jahr reiste Timeline-Userin Isabella im Sommer 1956 an den Bodensee, um ihre Großmutter zu besuchen. In diesem Jahr lernten sie und ihre Schwester eine ungewöhnliche Person kennen. Ihre erinnerungswürdige Begegnung ist unsere Geschichte zum Bild im Mai.

Baron von Roehl, 1956„Der Bodensee war die Heimat meiner 1901 geborenen Großmutter. Von 1955 bis 1964 verbrachten wir unseren Sommerurlaub stets in ihrem Geburtsort Mühlhofen in der Nähe von Unteruhldingen. Der VW Käfer Baujahr 1954 war für die Fahrt aus dem Ruhrgebiet in den Süden dann mit sechs Personen – manchmal auch noch mit einer Schildkröte – belegt und auch die vielen Geschenke für die Verwandtschaft passten noch hinein. Wir sahen uns trotz großer Sommerhitze die schöne Bodenseeumgebung an und stießen im August 1956 in der Nähe von Meersburg auf einen Mann in Frauenkleidern, der sich Baron von Roehl nannte. Weiterlesen…

Marcel Marceau, 1967

„Finden uns nicht die bewegendsten Momente im Leben ohne Worte?“ – Im Jahr 1967 hatte Timeline-User leicar6 die Ehre, den französischen Meister der Pantomime Marcel Marceau während eines Auftritts in Regensburg fotografieren zu dürfen. Die Begegnung dauerte nur wenige Minuten, doch für leicar6 war es ein Moment, der unvergesslich bleiben sollte. In unserer Geschichte zum Bild im März erinnert er sich noch einmal zurück.

Marcel Marceau, 1967

„Er gilt als der berühmteste Pantomime des 20. Jahrhunderts – eine Legende bereits zu Lebzeiten: Marcel Marceau. Eine New Yorker Zeitung schrieb voll Begeisterung: ‚Das ist Genie. Das ist Marceau‘. Und der einstige Bürgermeister von New York Giuliani ernannte 1999 den 18. März gar zum ‚Marcel Marceau Day‘. Als ‚Kunst der Stille‘ bezeichnet Marcel Marceau seine Darstellungsform. ‚Stille heißt auch Tiefe, ich will die Menschen in der Tiefe berühren, in ihrer Seele‘, sagt er in einem Interview. In aller Stille auch hat er sich 2006 von der Bühne verabschiedet. 2007 stirbt Marcel Marceau.

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Reise an die Côte d’Azur, 1960

Côte d’Azur und Karmann-Ghia Cabrio. Diese beiden Namen lösen heute wie damals Gefühle aus, die all jene, die die felsigen Buchten Südfrankreichs erleben und Hand an das Lenkrad eines Cabrios legen durften oder nur von beiden träumten, bestens kennen. Das trifft auch auf unsere Timeline-Userin Ilka Franz zu. Im Sommer des Jahres 1960 reiste sie zunächst nach San Remo und Genua, schließlich an die Côte d’Azur. Ihre Leidenschaft für diesen Ort erzählt sie uns mit einer Anekdote zu dem Foto einer jungen Frau am Steuer eines Cabrios an einer Küstenstraße – unsere Geschichte zum Bild im Juli:

Reise an die Côte d'Azur, 1960

„Achtzehn Jahre – harter Job, harte Zeiten. Ich will endlich das Meer sehen. Alassio war damals schon fest in deutscher Hand. Als Alassio-Reisende trug man Bettelarmbänder mit Goldmünzen am Handgelenk. Ich wollte nicht nach Alassio – ich wollte die Côte d’Azur sehen! Weiterlesen…

Die Gitarren und die Polizei – Bei den Schwabinger Krawallen, 1962

Am Abend des 21. Juni vor 53 Jahren brechen in München nach einer Auseinandersetzung zwischen Studenten und der Polizei Straßenschlachten aus, die das Stadtviertel tagelang in Atem halten sollten. Timeline-User leicar6 ist damals vor Ort um Fotos zu machen. Sein stimmungsvolles Bild vom Universitätsbrunnen lässt nichts von den Ausschreitungen auf den Straßen vermuten, in seiner Geschichte aber erzählt er von den aufregenden Tagen, die als Schwabinger Krawalle in Geschichte Münchens eingingen. „Die Gitarren und die Polizei“ von leicar6 ist unsere Geschichte zum Bild im Juni:

Bei den Schwabinger Krawallen, 1962„Juni 1962, eine laue Sommernacht. Das Bild mit den jungen Leuten am Brunnen der Münchner Universität vermittelt eine friedvolle Stimmung. Der Eindruck täuscht. An der Universität und in der nahen Leopoldstraße ist die Hölle los, eine Straßenschlacht ist ausgebrochen. Was ist passiert? In der Leopoldstraße spielen nach 22.30 Uhr noch einige Jugendliche auf ihrer Gitarre. So was darf nicht sein! Ein Stadtrat und Anwohner der Leopoldstraße rufen die Polizei. Die kommt und nimmt die fünf jungen Leute fest. Die Umstehenden protestieren lautstark. Es kommt zu Rangeleien, die Lage eskaliert. Immer mehr Polizei rückt an, auch berittene Polizisten sind darunter, eine regelrechte Straßenschlacht entsteht. Weiterlesen…