Fundstücke – Karakorumexpedition

Deutsch-Österreichische Karakorumexpedition 1954

Aufmerksame Bergfexe haben sicherlich schon erfahren, dass in diesen Tagen wieder eine Expedition im Karakorum-Gebirge unterwegs ist. Gerlinde Kaltenbrunner und ihr Mann Ralf Dujmovits sind mit von der Partie um den legendären K2 zu bezwingen.

Sie stehen dabei in einer guten Tradition: Schon 1954 wollte eine deutsch-österreichische Gruppe unter der Leitung von Andreas Rebitsch die Erstbesteigung des Lambha Pahar, wie der K2 auch genannt wird, in Angriff nehmen.  Die Italiener schnappten ihnen aber die Genehmigung der Behörden, die nur einmal jährlich erteilt wurde, vor der Nase weg – so blieb Rebitsch und seinen Seilpartnern nur, auf den ebenfalls im Karakorum-Gebirge liegenden Rakaposhi (7.788 m) auszuweichen.



Expeditionsteilnehmer Anderl Heckmair, bekannt durch die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand Kameramann Martl Schließler bereitet die Ausrüstung vor. Er drehte während der Expedition den Film „Im Schatten des Karakorum“.


Karl Heckler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Expedition, fand auf tragische Weise den Tod auf einem Felspfad über dem Fluss Hunza (Bild rechts). Hier ist er zu Beginn der Expedition auf einem Yak zu sehen. An dieser Stelle über dem Hunzatal fand Karl Heckler auf tragische Weise den Tod. Als er zum fotografieren an den Rand des schmalen Felspfades trat, lösten sich wahrscheinlich einige Steine und verursachten seinen Absturz.
Der Rakaposhi (7.788 m), höchster Berg der Rakaposhi-Haramosh-Berge im Karakorum-Massiv. Auf dem Bild leider nicht zu sehen: die 6 km hohe und fast 20 km breite Nordwand, höchste Steilflanke der Welt. Die berüchtigten Hängebrücken im Hunzatal, die über die reißenden Gebirgsflüsse führen, stellen gefährliche Hindernisse dar.


Die längste der Hunza-Brücken ist 114 m lang und hängt 28m über dem Fluss. Der später tödlich verunglückte Karl Heckler beschreibt den Übergang so: „Der Lambadar (Bürgermeister) von Nazimabad hat den Auftrag, mich ungefährdet über die Brücke zu bringen. Er will mich tragen. Als ich ablehne, geht er mit seinen Gehilfen kurz hinter mir über die Brücke, was meine Sicherheit nicht gerade fördert. Ein Träger von drüben kommt zurück, gerade als ich die Mitte erreicht habe. Nun sind wir zu vieren auf der schwankenden Brücke – und doch geht alles gut.“


Die Expedition fand kein glückliches Ende: Zuerst verunglückte Karl Heckler, schließlich musste die Besteigung des Rakaposhi gänzlich abgebrochen werden. In der Münchner Illustrierten, Ausgabe 30 vom 24. Juli 1954 heißt es: „Was Anderl Heckmair und Martl Schließler von ihren Vorstößen ins Bagrottatal und ins Danyortal berichteten, war entmutigend. Donnernde Eislawinen fegen in kurzen Abständen über die zerklüfteten Steilwände des Rakaposhi. Alle Routen, die für einen Aufstieg in Frage kämen, waren dauernd vom tödlichen Eisschlag bedroht. Mathias Rebitsch, der Expeditionsleiter, traf nach dieser Hiobsbotschaft die einzige richtige Entscheidung: Der Sturm auf den Gipfel des Rakaposhi wurde abgeblasen.“

Fotos: Max Scheler
© Münchner Illustrierte 1954

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