Kategorie-Archiv: DIE GESCHICHTE ZUM BILD

Blumenbinderin mit Kranz, 1926

Zugegeben, unsere lustige Geschichte zum Bild im November ist ganz schön versteckt. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass unser Community-Mitglied Schmid die authentischen und lebhaften Kindheitserinnerungen ihrer Mutter an diese Zeit mit uns teilt. Die Fotografie aus dem Jahre 1926 zeigt eine junge Auszubildende, die vor Johanna Schweigers Blumenladen am Münchner Ostfriedhof einen Blumenkranz schmückt. Die Mutter unserer Userin verknüpft mit dem Bild zahlreiche fröhliche Begegnungen mit keinem Geringeren als dem berühmten Komiker Karl Valentin aus der Münchner Au. Die Erinnerungen an seine Besuche im Blumenladen bezeugen, dass der Humorist, der übrigens ein Sammler alter Fotografien aus München war, auch im Alltag den Humor im Herzen trug.

Auszubildende im Blumengeschäft von Johanna Schweiger am Ostfriedhof arrangiert Blumen an einem Kranz. ?Der Karl Valentin kam in dieser Zeit oft in unser Blumengeschäft an der Tegernseer Landstraße und seine erste Frage war dann: ?Wo is mei kleines Fräulein, des mia mein Hund zsammsitzt?? Dann ist die Leine unten an einem Hocker eingeklemmt worden, und ich hab mich draufsetzn müssn, damit der Hund, des war so a bissl a Stiagnglandamischung, nicht den Stuhl durch das ganze Geschäft gezogen hat. An seinem Halsband war ein kleins Tascherl ghängt und in dem ist ein Zettl dringsteckt: Ich heiße Fifi und gehöre dem Komiker Karl Valentin?. Der Valentin war groß und sehr mager, er hat immer ein bissl traurig und auch krank ausgschaut.? Und wenn?s ans Zahlen gegangen ist, dann hat er einen von seine Schuh auszogn und neben der Kasse abglegt??

„Der Karl Valentin kam in dieser Zeit oft in unser Blumengeschäft an der Tegernseer Landstraße und seine erste Frage war dann: ‚Wo is mei kleines Fräulein, des mia mein Hund zsammsitzt?‘ Da Hunde nicht mit auf den Ostfriedhof durften, musste er seinen ja inzwischen irgendwo lassen… Dann ist die Leine unten an einem Hocker eingeklemmt worden und ich hab mich draufsetzn müssn, damit der Hund, des war so a bissl a Stiagnglandamischung (hochdeutsch: Mischlingshund), nicht den Stuhl durch das ganze Geschäft gezogen hat. Weiterlesen…

Besuch auf dem Oktoberfest in München, 1949

Das Oktoberfest 2016 ist zwar gerade zu Ende gegangen, da wir zu unserem Fotoaufruf „Die Wiesn in der Nachkriegszeit“ aber einige Bilder mit tollen Geschichten zugeschickt bekommen haben, dreht sich unsere Geschichte zum Bild im Oktober nochmal um das größte Volksfest der Welt. Timeline-Userin Metz erinnert sich an die großen Freuden und überwältigenden Eindrücke ihres ersten Wiesn-Besuchs mit der ganzen Familie im Jahr 1949.

Ein Besuch auf dem Oktoberfest in München im Spätsommer 1949. Betrachten einer Attraktion.

„Der absolute Höhepunkt dieser Tage in München war der Besuch des Oktoberfestes. Es begann schon so lustig, als wir Tante Lu trafen, die natürlich mitkam. Sie war genau die Richtige, um uns auf der Hinfahrt schon alle in die froheste Erwartung zu versetzen, und so begann der Wiesnbummel in einer so ausgelassenen Stimmung, wie ich sie bei meinen Eltern noch nie erlebt hatte. Ich erinnere mich an Karussellfahrten in Autos, auf Pferden und im Schwan, an einen Gasluftballon, der mir allerdings durch eine kurze Unachtsamkeit später in den blauen Münchner Himmel davonflog, an einen kleinen Sonnenschirm aus Papier mit lustigen Fransen, an den herrlich klebrigen Türkischen Honig, gebrannte Mandeln und Magenbrot – alles Dinge, die ich noch nicht gekannt hatte. Ich betrachtete ehrfürchtig die Achterbahn und das Riesenrad, die Geisterbahn und den brüllenden, biertrinkenden Löwen.

Weiterlesen…

Oktoberfest, 1962

In wenigen Wochen lädt die Münchner Theresienwiese wieder einmal zum jährlichen Oktoberfest ein. Auch vor einem halben Jahrhundert vermochte es das weltweit größte Volksfest Groß und Klein zu unterhalten. In unserer Geschichte zum Bild im September erinnert sich Timeline-User Hermann Schröer daran, unter welchen Umständen er diesen heiteren Wiesn-Moment festhielt.

Zwei lachende Kinder im Auto eines Fahrgesch‰ftes auf dem Oktoberfest in M¸nchen.

„Das Oktoberfest war schon immer ein Ereignis, aber in den sechziger Jahren noch kein Millionenrummel mit High Tech Fahrgeschäften und Promi Logen im Blickfeld der Klatschpresse. Ich war 1962 Studierender der Fotoklasse der Folkwangschule Essen bei Prof. Steinert. Als Reportagethema hatte ich das Oktoberfest angemeldet. Bilder bekannter internationaler Fotoreporter von dem großen Volksfest waren Vorbilder und Anreiz, es genau so gut zu machen. Weiterlesen…

Pablo Picasso in Fréjus, 1966

Im Sommer des Jahres 1966 fotografierte Timeline-User leicar6 in Südfrankreich. In einer Stierkampfarena in Fréjus entdeckt er unter den Zuschauern zufällig eine außergewöhnliche Person, die er sogleich in einem Foto festhält. Von einer unvergesslichen Begegnung vor 50 Jahren erzählt leicar6 in unserer Geschichte zum Bild im August.

„Sommer 1966, Südfrankreich. Ich bin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften unterwegs an der Côte d’Azur, um das für damalige Verhältnisse bunte und schrille Treiben der jungen Leute mit der Kamera festzuhalten. Ich befinde mich in der Nähe von Cannes. Plakate kündigen für Sonntag, den 7. August, einen Stierkampf im nahen Fréjus an. Ich fahre hin. Schauplatz der Kämpfe ist das antike Amphitheater, das aus römischer Zeit stammt.

Was nun folgt, ist eine Verkettung glücklicher Umstände. Da ist zunächst der Kartenverkäufer, der mir beim Anblick meiner beiden Leicas sogleich eine Pressekarte aushändigt, mit der ich mich in dem Zuschauerrund frei bewegen kann. Weiterlesen…

Abschiedskonzert in Riem, 1959

Ein komischer Anblick: vier Freunde, die, aus dem Schiebedach eines Kleinfahrzeuges gelehnt, enthusiastisch musizieren. Timeline-Userin Thudichum erzählt in unserer Geschichte zum Bild im Juli, was der Hintergrund dieser skurrilen Szene ist.

Freunde spielen Musik in einem Auto auf einer Straße in Bayern.

 

„Unser Freund entschloss sich nach der Trennung seiner Frau als Reiseleiter nach Spanien zu gehen. Wir wollten ihn am Flughafen Riem musikalisch verabschieden. Eine Beamtin erlaubte uns, dass wir aufs Rollfeld gelangten und ihm auf dem Rollfeld aus vollem Halse Adieu sagten. Weiterlesen…

Model an der Isar, 1967

An einem Sommermorgen in den 1960er Jahren fotografierte Timeline-User leicar6 im Auftrag einer Zeitschrift eine junge Frau am Isarufer bei München. Warum er sich an diesen Tag genauestens erinnern kann, erzählt er in unserer Geschichte zum Bild im Juni.

Das Model Ricarda posiert an einem hei?en Sommertag f¸r ein Foto am Isarufer bei M¸nchen.„25. Juni 1967. Ein warmer Junimorgen kurz nach Sonnenaufgang – unterwegs mit Ricarda zu Fotoaufnahmen im Isartal südlich von München. Für eine Zeitschrift benötige ich Bilder zum Thema Jugend 67. Bei dem milden Licht eines frühen Sommertages will ich Ricarda fotografieren, nicht bei dem grellen Sonnenlicht am Nachmittag. Ricarda – jung, hübsch, fotogen, geduldig.

Eine ganze Bilderstrecke entsteht in diesen frühen Morgenstunden, wobei mir dieses Bild das liebste ist – zeigt es doch die ganze Ungezwungenheit und Frische dieser jugendlichen Schönheit. Der Tag, an dem all diese Bilder entstehen, ist kein gewöhnlicher Tag.

Weiterlesen…

Baron von Roehl, 1956

Wie jedes Jahr reiste Timeline-Userin Isabella im Sommer 1956 an den Bodensee, um ihre Großmutter zu besuchen. In diesem Jahr lernten sie und ihre Schwester eine ungewöhnliche Person kennen. Ihre erinnerungswürdige Begegnung ist unsere Geschichte zum Bild im Mai.

Baron von Roehl, 1956„Der Bodensee war die Heimat meiner 1901 geborenen Großmutter. Von 1955 bis 1964 verbrachten wir unseren Sommerurlaub stets in ihrem Geburtsort Mühlhofen in der Nähe von Unteruhldingen. Der VW Käfer Baujahr 1954 war für die Fahrt aus dem Ruhrgebiet in den Süden dann mit sechs Personen – manchmal auch noch mit einer Schildkröte – belegt und auch die vielen Geschenke für die Verwandtschaft passten noch hinein. Wir sahen uns trotz großer Sommerhitze die schöne Bodenseeumgebung an und stießen im August 1956 in der Nähe von Meersburg auf einen Mann in Frauenkleidern, der sich Baron von Roehl nannte. Weiterlesen…

Jugendliche mit Bulli, 1979

Als Fotoschüler suchte Timeline-User christian Ende der 1970er Jahre ein Motiv für eine fotografische Hausaufgabe. Während eines Ausfluges mit einem VW-Bus fand er ein solches – die Spontanität seiner Freunde vervollständigte das Bild. In unserer Geschichte zum Bild im April erzählt christian, wie es zu der Aufnahme kam.

Jugendliche mit Bulli, 1979

 

„1979 war ich Fotoschüler am Berliner Lette-Verein und eine unserer Semesteraufgaben hatte den Titel ‚Personengruppe in der Landschaft‘. Ein Freund in Hamburg besaß damals diesen schönen, alten Bully, vor dem meine Gruppe posieren sollte. Irgendeiner von ihnen kletterte als erster aufs Dach, kurz darauf saßen alle oben. Das war ja noch viel besser, als ich mir das vorgestellt hatte. Ich war sehr zufrieden mit meinen Fotos und wollte die Kamera schon wieder einpacken, als Hans sich plötzlich ans Heck des Wagens stellte und, nachdem er sich vergewissert hatte, dass alle zugucken, mit einem lauten Schrei im hohen Bogen runter sprang. Da hatte ich mein Foto – von dem habe ich übrigens nie eins vergrößert.“

Weiterlesen…

Marcel Marceau, 1967

„Finden uns nicht die bewegendsten Momente im Leben ohne Worte?“ – Im Jahr 1967 hatte Timeline-User leicar6 die Ehre, den französischen Meister der Pantomime Marcel Marceau während eines Auftritts in Regensburg fotografieren zu dürfen. Die Begegnung dauerte nur wenige Minuten, doch für leicar6 war es ein Moment, der unvergesslich bleiben sollte. In unserer Geschichte zum Bild im März erinnert er sich noch einmal zurück.

Marcel Marceau, 1967

„Er gilt als der berühmteste Pantomime des 20. Jahrhunderts – eine Legende bereits zu Lebzeiten: Marcel Marceau. Eine New Yorker Zeitung schrieb voll Begeisterung: ‚Das ist Genie. Das ist Marceau‘. Und der einstige Bürgermeister von New York Giuliani ernannte 1999 den 18. März gar zum ‚Marcel Marceau Day‘. Als ‚Kunst der Stille‘ bezeichnet Marcel Marceau seine Darstellungsform. ‚Stille heißt auch Tiefe, ich will die Menschen in der Tiefe berühren, in ihrer Seele‘, sagt er in einem Interview. In aller Stille auch hat er sich 2006 von der Bühne verabschiedet. 2007 stirbt Marcel Marceau.

Weiterlesen…