Fotoaufruf: Bayern in der Nachkriegszeit

Familie im zerstörten München, 1940er Jahre

Familie im zerstörten München, 1945/46 © Anheas

Am 1. Dezember 1946 stimmen Bayerns Bürgerinnen und Bürger über eine neue, demokratische Verfassung für den Freistaat ab. Über zwei Drittel der Wahlberechtigten nehmen damals am Volksentscheid teil – davon stimmen mehr als 70 Prozent für den Verfassungstext.

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Verfassung des Freistaats suchen die Süddeutsche Zeitung und Timeline Images Leserfotos vom Leben im Bayern der Nachkiegsjahre.

Ob Trümmerlandschaften oder Wiederaufbau, ob Alltagsnot oder Aufbruchsstimmung, ob Bamberg oder Berchtesgaden, ob Bodensee oder Bayerischer Wald – die SZ und Timeline Images bewahren Ihre historischen Fotos aus den Jahren 1946 bis 1959 vor dem Vergessen.

Teilen Sie gerne auch persönliche Erinnerungen und Anekdoten zu Ihren Bildern.

Die schönsten Motiven und Bildstrecken werden in der Süddeutschen Zeitung in Print und online veröffentlicht.

Zum Aufruf in der Süddeutschen Zeitung

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  • Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2016.
Nachkriegsbayern

Nachkriegsimpressionen aus Ochsenfurt (li.) und München (mi., re.) © Ochsenfurt, elvira, gisela

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In der Fotocommunity finden Sie bereits viele weitere historische Bilder aus dem Nachkriegsbayern. Reisen Sie mit den Bildern unserer Community-Mitglieder in die bayerische Vergangenheit!

 

Blumenbinderin mit Kranz, 1926

Zugegeben, unsere lustige Geschichte zum Bild im November ist ganz schön versteckt. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass unser Community-Mitglied Schmid die authentischen und lebhaften Kindheitserinnerungen ihrer Mutter an diese Zeit mit uns teilt. Die Fotografie aus dem Jahre 1926 zeigt eine junge Auszubildende, die vor Johanna Schweigers Blumenladen am Münchner Ostfriedhof einen Blumenkranz schmückt. Die Mutter unserer Userin verknüpft mit dem Bild zahlreiche fröhliche Begegnungen mit keinem Geringeren als dem berühmten Komiker Karl Valentin aus der Münchner Au. Die Erinnerungen an seine Besuche im Blumenladen bezeugen, dass der Humorist, der übrigens ein Sammler alter Fotografien aus München war, auch im Alltag den Humor im Herzen trug.

Auszubildende im Blumengeschäft von Johanna Schweiger am Ostfriedhof arrangiert Blumen an einem Kranz. ?Der Karl Valentin kam in dieser Zeit oft in unser Blumengeschäft an der Tegernseer Landstraße und seine erste Frage war dann: ?Wo is mei kleines Fräulein, des mia mein Hund zsammsitzt?? Dann ist die Leine unten an einem Hocker eingeklemmt worden, und ich hab mich draufsetzn müssn, damit der Hund, des war so a bissl a Stiagnglandamischung, nicht den Stuhl durch das ganze Geschäft gezogen hat. An seinem Halsband war ein kleins Tascherl ghängt und in dem ist ein Zettl dringsteckt: Ich heiße Fifi und gehöre dem Komiker Karl Valentin?. Der Valentin war groß und sehr mager, er hat immer ein bissl traurig und auch krank ausgschaut.? Und wenn?s ans Zahlen gegangen ist, dann hat er einen von seine Schuh auszogn und neben der Kasse abglegt??

„Der Karl Valentin kam in dieser Zeit oft in unser Blumengeschäft an der Tegernseer Landstraße und seine erste Frage war dann: ‚Wo is mei kleines Fräulein, des mia mein Hund zsammsitzt?‘ Da Hunde nicht mit auf den Ostfriedhof durften, musste er seinen ja inzwischen irgendwo lassen… Dann ist die Leine unten an einem Hocker eingeklemmt worden und ich hab mich draufsetzn müssn, damit der Hund, des war so a bissl a Stiagnglandamischung (hochdeutsch: Mischlingshund), nicht den Stuhl durch das ganze Geschäft gezogen hat. Weiterlesen…

Besuch auf dem Oktoberfest in München, 1949

Das Oktoberfest 2016 ist zwar gerade zu Ende gegangen, da wir zu unserem Fotoaufruf „Die Wiesn in der Nachkriegszeit“ aber einige Bilder mit tollen Geschichten zugeschickt bekommen haben, dreht sich unsere Geschichte zum Bild im Oktober nochmal um das größte Volksfest der Welt. Timeline-Userin Metz erinnert sich an die großen Freuden und überwältigenden Eindrücke ihres ersten Wiesn-Besuchs mit der ganzen Familie im Jahr 1949.

Ein Besuch auf dem Oktoberfest in München im Spätsommer 1949. Betrachten einer Attraktion.

„Der absolute Höhepunkt dieser Tage in München war der Besuch des Oktoberfestes. Es begann schon so lustig, als wir Tante Lu trafen, die natürlich mitkam. Sie war genau die Richtige, um uns auf der Hinfahrt schon alle in die froheste Erwartung zu versetzen, und so begann der Wiesnbummel in einer so ausgelassenen Stimmung, wie ich sie bei meinen Eltern noch nie erlebt hatte. Ich erinnere mich an Karussellfahrten in Autos, auf Pferden und im Schwan, an einen Gasluftballon, der mir allerdings durch eine kurze Unachtsamkeit später in den blauen Münchner Himmel davonflog, an einen kleinen Sonnenschirm aus Papier mit lustigen Fransen, an den herrlich klebrigen Türkischen Honig, gebrannte Mandeln und Magenbrot – alles Dinge, die ich noch nicht gekannt hatte. Ich betrachtete ehrfürchtig die Achterbahn und das Riesenrad, die Geisterbahn und den brüllenden, biertrinkenden Löwen.

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Fotoaufruf: Die Wiesn in der Nachkriegszeit

Vom Trubel zwischen Trümmern zur Wirtschaftswunder-Wiesn

Münchner Oktoberfest, 1953

Heute undenkbar: Eine Wiesnbedienung spült Bierkrüge per Hand, 1953 © Dilli

Vor 70 Jahren durften die Münchner Bürger zum ersten Mal seit 1938 wieder zum Feiern auf die Theresienwiese, um für einige Stunden die Not und das Elend in der nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern liegenden bayerischen Landeshauptstadt zu vergessen. „Herbstfest“ nannte man die spartanische Ausgabe der Wiesn in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg.

Der Feierreigen mauserte sich jedoch schnell und durfte ab 1949 wieder Oktoberfest heißen. Nur wenige Jahre später war die Wiesn das größte Volksfest der Welt.

Haben Sie alte Bilder von der Wiesn in den Nachkiegsjahren?

Die Süddeutsche Zeitung und Timeline Images suchen Leserfotos von der Wiesn aus den Jahren 1946 bis 1959.

Ob Bilder von der Premierenvorstellung des Flohzirkus anno 1948, von Thomas Wimmers Kampf mit dem Fass beim ersten Anstich 1950 oder einfach von Ihrem allerersten Oktoberfest-Besuch – die SZ und Timeline Images bewahren Ihre historischen Wiesn-Momente vor dem Vergessen.

Den schönsten Motiven und Bildstrecken unter den Einsendungen winkt eine Veröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung.

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  • Einsendeschluss ist der 3. Oktober 2016.

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Stichwort: Oktoberfest
Hultschiner Str. 8
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Selbstverständlich schicken wir Ihr Bildmaterial nach der Sichtung und ggf. Digitalisierung an Sie zurück.

 

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Wiesn 50er

Oktoberfestimpressionen aus den 50er Jahren © helga52, HRath, Dillo

In der Fotocommunity finden Sie bereits viele historische Bilder vom Oktoberfest. Schauen Sie sich auch die fotografischen Wiesn-Erinnerungen der Community-Mitglieder an!

Unsere Fotografen: Czychowski

Esel in Shihara, 1980 Straße in Belen, 1961 Schule in Bangaan, 1986 Fischerflöße in den Philippinen, 1986 Krieger bei El Gabei, 1980 Beduinenwäsche in Petra, 1984 Teakholzhafen in Mandalay, 1985 Goldschläger in Mandalay, 1985 Verkäuferin auf dem Heimweg, 1985 Hauptstraße in Kigali, 1979 Blinder Musiker, 1964 Trauergemeinde am Changjing, 1987 Eselkarren in Xining, 1987 Rentiere in Hammerfest, 1966 Hafen von Andalsnes, 1963 Reisfelder in Westjava, 1979 Schulklasse im Zoo von Guiluin, 1987 Teepflückerinnen am Puncak-Pass, 1979 Frau in Ainko, 1981 Museumsdach in Sanaa, 1980

Kein anderes Timeline-Mitglied kann Bilder aus so vielen Ländern der Welt vorweisen wie Czychowski.

In unserer Fotocommunity zeigt Timeline-User Czychowski bereits über 5.000 Fotografien seines Vaters Manfred Czychowski. Dieser wurde 1929 in Olschewen im damaligen Ostpreußen geboren, jedoch trug ihn das Schicksal eines Flüchtlings aus den deutschen Ostgebieten nach Mönchengladbach. Nach einem Jurastudium zog er nach Düsseldorf, wo er im Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen stand und sich maßgeblich um die Wasserqualität verschiedener Gewässer kümmerte. So wurde er zu einem der führenden deutschen Juristen auf dem Gebiet des Wasserrechts und maßgeblicher Kommentator zum Wasserhaushaltsgesetz. Weiterlesen…

Oktoberfest, 1962

In wenigen Wochen lädt die Münchner Theresienwiese wieder einmal zum jährlichen Oktoberfest ein. Auch vor einem halben Jahrhundert vermochte es das weltweit größte Volksfest Groß und Klein zu unterhalten. In unserer Geschichte zum Bild im September erinnert sich Timeline-User Hermann Schröer daran, unter welchen Umständen er diesen heiteren Wiesn-Moment festhielt.

Zwei lachende Kinder im Auto eines Fahrgesch‰ftes auf dem Oktoberfest in M¸nchen.

„Das Oktoberfest war schon immer ein Ereignis, aber in den sechziger Jahren noch kein Millionenrummel mit High Tech Fahrgeschäften und Promi Logen im Blickfeld der Klatschpresse. Ich war 1962 Studierender der Fotoklasse der Folkwangschule Essen bei Prof. Steinert. Als Reportagethema hatte ich das Oktoberfest angemeldet. Bilder bekannter internationaler Fotoreporter von dem großen Volksfest waren Vorbilder und Anreiz, es genau so gut zu machen. Weiterlesen…

Pablo Picasso in Fréjus, 1966

Im Sommer des Jahres 1966 fotografierte Timeline-User leicar6 in Südfrankreich. In einer Stierkampfarena in Fréjus entdeckt er unter den Zuschauern zufällig eine außergewöhnliche Person, die er sogleich in einem Foto festhält. Von einer unvergesslichen Begegnung vor 50 Jahren erzählt leicar6 in unserer Geschichte zum Bild im August.

„Sommer 1966, Südfrankreich. Ich bin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften unterwegs an der Côte d’Azur, um das für damalige Verhältnisse bunte und schrille Treiben der jungen Leute mit der Kamera festzuhalten. Ich befinde mich in der Nähe von Cannes. Plakate kündigen für Sonntag, den 7. August, einen Stierkampf im nahen Fréjus an. Ich fahre hin. Schauplatz der Kämpfe ist das antike Amphitheater, das aus römischer Zeit stammt.

Was nun folgt, ist eine Verkettung glücklicher Umstände. Da ist zunächst der Kartenverkäufer, der mir beim Anblick meiner beiden Leicas sogleich eine Pressekarte aushändigt, mit der ich mich in dem Zuschauerrund frei bewegen kann. Weiterlesen…

Abschiedskonzert in Riem, 1959

Ein komischer Anblick: vier Freunde, die, aus dem Schiebedach eines Kleinfahrzeuges gelehnt, enthusiastisch musizieren. Timeline-Userin Thudichum erzählt in unserer Geschichte zum Bild im Juli, was der Hintergrund dieser skurrilen Szene ist.

Freunde spielen Musik in einem Auto auf einer Straße in Bayern.

 

„Unser Freund entschloss sich nach der Trennung seiner Frau als Reiseleiter nach Spanien zu gehen. Wir wollten ihn am Flughafen Riem musikalisch verabschieden. Eine Beamtin erlaubte uns, dass wir aufs Rollfeld gelangten und ihm auf dem Rollfeld aus vollem Halse Adieu sagten. Weiterlesen…

Model an der Isar, 1967

An einem Sommermorgen in den 1960er Jahren fotografierte Timeline-User leicar6 im Auftrag einer Zeitschrift eine junge Frau am Isarufer bei München. Warum er sich an diesen Tag genauestens erinnern kann, erzählt er in unserer Geschichte zum Bild im Juni.

Das Model Ricarda posiert an einem hei?en Sommertag f¸r ein Foto am Isarufer bei M¸nchen.„25. Juni 1967. Ein warmer Junimorgen kurz nach Sonnenaufgang – unterwegs mit Ricarda zu Fotoaufnahmen im Isartal südlich von München. Für eine Zeitschrift benötige ich Bilder zum Thema Jugend 67. Bei dem milden Licht eines frühen Sommertages will ich Ricarda fotografieren, nicht bei dem grellen Sonnenlicht am Nachmittag. Ricarda – jung, hübsch, fotogen, geduldig.

Eine ganze Bilderstrecke entsteht in diesen frühen Morgenstunden, wobei mir dieses Bild das liebste ist – zeigt es doch die ganze Ungezwungenheit und Frische dieser jugendlichen Schönheit. Der Tag, an dem all diese Bilder entstehen, ist kein gewöhnlicher Tag.

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